Die vitale Stadt überlebt immer

Es ist unmöglich 2015 zu erinnern ohne die Anschläge von Paris. Die Anschläge sind ein Angriff auf alles, wofür das Kennislab voor Urbanisme steht. Es ist noch immer viel zu früh, um nach der Tragödie von Paris Schlussfolgerungen zu ziehen, und es ist fraglich, ob wir jemals begreifen werden, was sich dort abgespielt hat. Trotzdem wird sehr wohl deutlich, dass es sich um einen Anschlag auf das Leben in der Stadt, auf die städtische Vitalität und damit auch auf die Lebensweise, die wir so sehr lieben und womit wir uns mit so viel Liebe beschäftigen, handelt.

parisDie vitale Stadt ist eine unzusammenhängende und zum großen Teil unkontrollierbare Ansammlung von Menschen. Sie ist ein Chaos, das mehr oder weniger in geregelten Bahnen geleitet wird und das meistens ganz von selbst in geregelten Bahnen verläuft. Dieses Chaos führt zu wirtschaftlichem Wachstum, zu Freude und Vitalität. Die größte Bedrohung für diese Vitalität ist die Lähmung. Und Angst lähmt. Und das ist genau, was die Terroristen erreichen wollen. Sie wollen unsere vitale Stadt lahm legen. Sie sind nicht auf Chaos aus, sondern auf eine alles lähmende Ruhe. Sie wollen, dass wir uns nicht mehr auf die Straße trauen, nicht mehr auf Arbeit gehen wollen, nicht mehr in unsere Universitäten, nicht mehr zu unserem Vergnügen ins Stadion, in Restaurants oder Konzerthallen. Das wurde am 13. November in Paris aber noch viel eher während des Länderfreundschaftsspiels zwischen den Niederlanden und Deutschland und eine Woche später, als die Angst Brüssel beherrschte, deutlich. Durch diese alles lähmende Angst wollen die Terroristen unsere Art und Weise zu leben zerstören.

Und das wird ihnen nicht gelingen. Das gelang ihnen nach 9/11 in New York, in Moskau 2002, nach den Anschlägen von Madrid 2004 und London 2005 nicht. Städte kommen immer wieder auf die Beine. Stärker noch, es ist noch nie in der Geschichte eine Stadt aufgrund von Krieg und Gewalt von der Bildfläche verschwunden. Städte rappeln sich immer wieder auf und überleben schlussendlich. Schlichtweg weil Städte uns den Raum bieten, um in Freiheit zu leben, um zu tun was wir wollen. Stadtluft mach frei. Städte bieten Obdach für Menschen, die anders denken. Selbst für Menschen, die so radikal anders denken, dass sie das Stadtleben zerstören wollen, sowie zum Beispiel in Molenbeek. Wir werden um unsere Toten trauern und vielleicht laufen wir ängstlich über die Straße. Aber unsere Lebensweise werden sie uns nicht nehmen.

Die chaotische Kraft der vitalen Stadt ist so stark, dass sie immer obsiegt.

Jan-Willem Wesselink

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