Ruhrgang gewinnt Summerschool

Der Plan Ruhrgang hat die Summerschool Sicherer Entwurf Ruhr gewonnen. In diesem Plan wird eine typische niederländische Lösung für ein internationales Problem ausgewählt: Wie soll man mit dem Risiko eines großen Chemieparks umgehen, der in der Nähe eines Wohngebiets liegt.

Summerschool Netwerk Ontwerp Veilige Omgeving Ruhrgebiet (350)

Die Summerschool fand am 24,25 und 26 Februar im Ruhrgebiet statt. Initiator war das niederländische Netzwerk Ontwerp Veilig Omgeving (zu Deutsch: Netzwerk Planung sichere Umgebung), welches als Zielsetzung hat, dass Planer externe Sicherheit in ihre räumlichen Entwürfe aufnehmen. Alet van ’t Eind, Ziehkraft des Netzwerks, sagt darüber deutlich: ‘Externe Sicherheit wird durch Planer oft als eine Belastung gesehen, während die Wirklichkeit zeigt, dass es keinesfalls schwierig oder teuer ist.‘ Dies wurde während der Summerschool deutlich, wobei die kommende Generation von Raumplanern und Vorständen dies bezüglich geschult wurde. In sechs Gruppen mit je vier Teilnehmern, suchten diese nach Antworten auf die Frage, ‘Wie machen wir das Ruhrgebiet zur sichersten Städteregion von Europa?’ Eine schier unmögliche Lösung, die mit den vielen Teilnehmer zugespitzt wurde, auf den zu untersuchenden Fall: den Chemiepark Marl. Dieses 6,5 km2 große chemische Gelände liegt nur einen Steinwurf vom Wohngebiet der Gemeinde Marl entfernt und ist mit diesem sozial als auch ökonomisch verbunden. So gesehen ist es, auch im niederländischen Kontext, ein wiedererkennbarer Fall.

Poster-Ruhrgang-volledigGraben als Win-Win
Die Gewinnergruppe (bestehend aus Matthijs Boeschoten, Marlieke Janssen, Simon Koetsier und Rani Temmink), wählte mit  Ruhrgang eine Win-Win-Situation als Lösung. Wohngebiete die nah am Chemiepark liegen, werden phasenweise abgerissen und in dem freigewordenen Bereich wird ein Graben gebaut. Dieser Graben bekommt eine erholsame Bestimmung und verstärkt so die lokale Ökonomie. Auch erhält der Chemiepark hierdurch Raum zur Ausbreitung, was einen Teil der Anschaffungskosten deckt. Die Jury (bestehend aus Alet van ’t Eind (Netzwerk ontwerp veilige omgeving) Frank Bouman (Ministerium für Infrastruktur und Umwelt), Alex de Roos (Provinz Südholland), Jan Polivka (TU Dortmund), Marc Schulten (SSR Dortmund) und Markus Schaffrath (Stadt Marl) lobten die integrale Lösung und die positive Wirkung der Lösung. Juryvorsitzende Alet van ’t Eind: ‘Die Gewinnergruppe zeigte, dass sie ein Auge für die Probleme der verschiedenen Stakeholder haben und verbinden diese auf eine sehr positive Art miteinander.’ Die Gewinnergruppe gewann hiermit einen Scheck von 2000 Euro, einen Artikel im Fachblatt BT und die Teilnahme an einem Bürgermeisterbesuch, die später im Jahr durch das Netzwerk Ontwerp Veilige Omgeving veranstaltet wird.

Summerschool Netwerk Ontwerp Veilige Omgeving Ruhrgebiet (352)

Zukunft
Die 24 Teilnehmer der Summeschool waren unter hohen Druck, sowohl Wissen über sicheres Planen sowie über das Ruhrgebiet aufzunehmen. Neben Informationen über die Gemeinde Marl und dem Chemiepark Marl erhielten sie Vorträge über die Vergangenheit und die Zukunft vom Ruhrgebiet sowie die deutsche und niederländische Annäherung an externe Sicherheit. Die Nächte wurden dafür genutzt, um an der Antwort auf die gestellte Frage zu arbeiten. Jan-Willem Wesselink, Hauptlaborant des Kennislab voor Urbanisme, war schwer beeindruckt vom Enthusiasmus der Gruppen: ‘Die meisten Gruppen haben während des dreitägigen Bootcamps nicht mehr als 10 Stunden geschlafen. Der Rest von der Zeit wurde hart gearbeitet. Ich habe hier die städtebauliche Zukunft der Niederlande kennengelernt.’

Andere Entwürfe
Die übrigen Gruppen wählten eine andere Annäherung an das Problem. So setzte Ruhr Sharing (Frank Gorissen, Ynke Hartsema, Geert Kievit und Naomi Milstein) auch auf das Evakuieren von Sicherheitszonen, aber so wollte die Gruppe den freigewordenen Raum für das Verstärken von chemiebezogener Ökonomie nutzen, wobei auf neue Betriebe und Startups gesetzt wird.

Die Gruppe Freiheit Blijheid (Suzanne Bleijenberg, Emiel Heinsbroek, Jordy Stamps und Danique Wiertsema) näherte sich an das Probleme aus Sicht der Gemeinde Marl, welches es an einem echten Zentrum fehlt. Die Gruppe stellte vor, ein neues Zentrum durch mit bottom-up Planologie zu entwickeln, das als ein Magnet für die Bewohner von gefährlichen Gebieten funktionieren kann. Der niederländische Terpe wird hierbei als Metapher verwendet. Einen vergleichbaren Ansatz wählten Abi Hemya Jayasuriya Kaliamoorthy, Tibor Rongen, Durk van der Werf und Jorrit Zuidema, die sich allerdings nicht für einen bottom-up Ansatz entschieden, sondern für einen mehr traditionellen planerischen Ansatz, um in ihrem Plan ein neues Zentrum zu entwickeln. Für den Plan ‘Be Urban’ wird die niederländische Stadt Zaanstad als Vorbild für die Gemeine Marl benutzt. Einen ganz anderen Ansatz wählten die Menschen hinter dem Plan Painting Communication, die auf das sich Bewusstwerden durch das Aufmalen von Sicherheitszonen auf den Straßen von Marl setzten. Dies soll als Folge einen freiwilligen Wegzug haben, sagen Rick Arendsen, Malini Klapper, Koen van der Gun und Matthijs Weggemans. Das Projekt Safe Garden (van Bram Djajadiningrat, Dumain Malumba, Linda Peters und Karin Snel) erinnert auf eine bestimmte Weise an den Entwurf der Gewinnergruppe. Aber hier war es nicht ein Graben, sondern ein hoch gelegener Garten der als Trennung zwischen dem Chemiepark Mark und der Stadt Marl dient. Denn mit einem Graben haben die Deutschen noch immer negative Assoziationen. So lernten die Teilnehmer bis zur letzten Minute über Kulturunterschiede zwischen Planern und Sicherheitspersonen, aber auch zwischen den Niederlanden und Deutschland.

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